Inspiration kann sehr vielfältig sein und ich meine damit nicht nur Motivideen für meine Zeichnungen. Sondern auch das Gefühl, als Erwachsener mal wieder staunen zu dürfen. Einfach zu beobachten, zu entdecken und dadurch den Kopf frei zu bekommen. Der Entdeckerdrang aus der Kindheit ist uns vielleicht etwas abhanden gekommen aber man kann ihn ein Stück weit wieder finden- mit Inspiration. Und das gelingt mir persönlich am besten mit den Händen in der Erde, umgeben von Pflanzen und Ruhe.

Wie alles begann
Als ich im Herbst 2023 umgezogen bin und unseren trostlos gepflasterten Hinterhof näher betrachtete, fasste ich einen Plan: Diese nutzlose graue Fläche wird ein naturnaher Garten. Mein kleines Outdoor-Paradies und Zuhause für heimische Pflanzen, Tiere, Insekten und Co.
Die Natur war vor uns auf diesem Planeten und wir nehmen ihr den Raum. Überall wird gebaut, abgeholzt, asphaltiert… Und dann wundern wir uns über ein kaputtes Ökosystem. Pflanzen regulieren Temperaturen, natürlicher Boden nimmt Regenwasser auf, Natur ist Lebensraum und wir zerstören das alles. Biodiversität ist erst ein Begriff, seit sie schwindet.


Bei unserem Einzug hatte das Haus ein großes Problem: nasser Keller. Im Ruhrgebiet keine Seltenheit aber hier besonders schlimm. Es war nicht nur bei Starkregel ein bisschen feucht, sondern in mehreren Kellerräumen stand das Wasser dauerhaft mehrere Zentimeter hoch. Wir wurden vor diesem Zustand gewarnt- für die Bausubstanz ein Todesurteil und eine irre kostspielige Baustelle, die man vielleicht nie in den Griff kriegen würde…
Und noch etwas beschäftigte mich zunehmend: Eigentlich hatte das Grundstück ums Haus herum durchaus Potenzial- groß genug für Sitzecken, Beete, Kinderspielfläche, aber nicht zu groß, um die Pflege bewältigen zu können. Doch als völlig unnütz gepflasterte Fläche mit Betonumrandung wirkte es nicht sonderlich einladend und lebendig. Rundherum um diese Fläche zog sich ein schmaler Grünstreifen, in dem jedoch hauptsächlich Kirschlorbeer wuchs, der ökologisch kaum wertvoller ist, als eine Betonwand. Dazu ist er noch ein invasiver Neophyt, der sich also extrem ausbreitet und an allen Ecken und Enden neu austreibt- kaum zu bändigen.

Von grau zu grün
Als das „Innen“ unserer Wohnung fertig renoviert war, habe ich irgendwann begonnen, mich dem „Draußen“ zu widmen. Ich fing an kleinen Teilbereichen an, den Boden zu entsiegeln und den Kirschlorbeer zu entfernen. Beides eine schweißtreibende Arbeit: Steine schleppen und dicke Wurzelballen ausgraben. Es ging Stückchen für Stückchen in kleinen Schritten voran und das tut es bis heute. Ich weiß nicht, ob ich jemals einen fertigen Zustand erreichen werde. Das ist allerdings gar nicht mein erklärtes Ziel. Ich mag diese Arbeit, wenn sie noch so anstrengend ist, weil man schnell enorme Fortschritte sieht. Das ist nicht nur sehr befriedigend, sondern auch noch wirklich sinnvoll und dieser Gedanke motiviert mich immer wieder neu.



Die Wirkung zeigt sich auch anders:
Je mehr der Hof von grau zu grün wird, umso spürbarer wird das verbesserte Klima. In heißen trockenen Sommerzeiten ist es wesentlich angenehmer und kühler. Die Hitze kocht nicht mehr so sehr. Der Keller ist fast trocken. Regenwasser kann vernünftig und großflächig versickern und dringt kaum noch ins Gebäude ein. Nur bei wirklich langanhaltendem Starkregen ist noch leichte Feuchtigkeit zu erkennen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wirklich bemerkenswert. Auf einen solchen Effekt hatte ich zwar gehofft, aber nicht in dem Ausmaß damit gerechnet.

Elemente des Naturgartens
Was hab ich nun im Einzelnen gemacht, außer buddeln und Steine schleppen? Naja, im Grunde Beete angelegt, Sand und Erde aufgeschüttet, unzählige heimische Pflanzen gepflanzt, Komposthaufen angelegt, aber auch Tierunterkünfte gebaut (Igelhaus, Käferkeller etc) und Nistkästen aufgehängt. Nach und nach sind unterschiedliche kleine Bereiche und Biotope entstanden- mit verschiedenen Bedingungen wie Sonne und Schatten, magerem und nährstoffreicherem Boden, Totholz, Miniteiche, Sitzecken, offener Boden, Sandarium, Sträucher, Stauden…
Was noch ansteht? All das weiter ausbauen, noch mehr Pflastersteine entfernen, Wildblumenwiese anlegen, das Garagendach begrünen. Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, der Natur ein kleines Stück zurückzugeben. Und es ist mehr als zufriedenstellend, den Wandel zu beobachten. Ich freue mich sehr über jede kleine Veränderung. Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue und den Anblick mit dem ursprünglichen vergleiche, bin ich unheimlich begeistert, glücklich, stolz und gespannt, was sich noch entwickeln wird.


Lektüre
Sich für das Thema Naturgarten zu öffnen, kann ich aus tiefstem Herzen empfehlen. Eigentlich möchte ich sogar dazu ermuntern und aufrufen. Deshalb ist aus meiner Begeisterung sogar ein Buch für Einsteiger entstanden: Auf dem Weg zum Naturgarten. Es kann ein Startschuss sein für alle, die an einem kleinen Fleckchen Erde etwas ausprobieren wollen, die vielleicht nur einen Balkon haben, ein Vordach oder auch einen richtig großen Garten. Es gibt einen ersten Überblick über sinnvolle Strukturen, die sowohl groß, als auch klein angelegt werden können. Im Buch findest du:
- Einführung ins Thema für Anfänger ohne Vorwissen
- Aufbau und Elemente eines Naturgartens
- Liste heimischer Pflanzen für unterschiedliche Standorte
- und Bezugsquellen solcher Pflanzen
- Ideen zur Unterstützung von Tieren
- Gestaltungstips und zahlreiche Bilder
- meine persönlichen Erfahrungen
Wahrscheinlich gibt es noch tausend andere Arten und Ideen und Möglichkeiten. Aber zu Beginn geht es darum, erst einmal einen kleinen Anfang zu finden und es sich dann entwickeln zu lassen. Es geht um Mut zum Unperfekten. In einem naturnahen Garten darf (und soll sogar) Laub liegen, es gibt keinen englischen Rasen und Unkraut ist nicht gleich Unkraut. Schließlich geht es darum, der Natur Raum zu geben.

Wenn du Lust hast, dich mit dem Thema zu beschäftigen, freue ich mich sehr und wünsche dir ganz viel Spaß dabei- denn das macht es wirklich. Leg los und mach den Anfang! Erzähl mir gern von deinen Plänen und kleinen und großen Erfolgen. 🙂 Schreib mir auch gern, wenn du Anregungen oder inhaltliche Fragen hast.
gez. Katharina
P.S.:
Zur weiteren Motivation und für noch ganz viele Infos und Inspiration schau auch mal hier vorbei:
Naturgarten e.V.
Daniel Jakumeit
Natura DB


