Ehrenamt und Zivilcourage

Beides ist Mangelware- meint man zumindest oft. Immer mal wieder hört oder liest man Berichterstattungen darüber. Menschen in Notsituationen wird nicht geholfen, Leute schauen entweder weg oder gaffen ohne zu helfen. Ist unsere Gesellschaft wirklich so schlimm? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es nicht hilft, die schlechten Aspekte in den Mittelpunkt zu stellen. Das Gefühl, jemandem helfen zu können, ist doch ein gutes- für beide Seiten.

Dabei muss es nicht immer gleich eine lebensbedrohliche Gefahrensituation sein, spektakulär wie im Film. Es geht auch um alltägliche Kleinigkeiten bzw. Dinge, die wie Kleinigkeiten scheinen, für den Einzelnen aber tatsächlich große Gesten sein können. Zivilcourage zeigt sich im ganz normalen Verhalten. Ein Ehrenamt ist natürlich super, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben oder etwas beizutragen. Aber eine zeitlich gebundene, regelmäßige Verpflichtung kann nicht jeder realisieren. Doch das ist auch nicht zwingend erforderlich. Um sich ein wenig zu engagieren, braucht es nicht viel Aufwand. Viele Menschen, die etwas bewirken möchten, können sich kaum entscheiden oder dazu durchringen, die „richtige Baustelle“ zu finden, an der sie tätig werden. Als müsste man sich entscheiden. Wenn es wirklich ein ehrenamtlicher Job sein soll, dann ist eine Entscheidung vielleicht sinnvoll. Doch um das Gefühl dahinter wahrhaftig zu leben, kann man an so unzählig vielen Fronten etwas bewegen. Und was man auf viele Schultern verteilt, wird für jeden einzelnen auch nicht zu einer Vollzeitaufgabe.

Was kann man also tun, wenn man nicht die Zeit hat, um ehrenamtlich zu arbeiten?
Um besser zu verdeutlichen, was ich damit meine, kommen hier ein paar Beispiele, Momente, Ideen und meine Erfahrungen:

  1. Decken, Tücher, Laken etc. sammeln und zum nächsten Tierheim bringen.
  2. Haushaltsgegenstände, Kinderspielzeug und Kleidung aussortieren und bei einem Sozialkaufhaus oder Frauenhaus abgeben.
  3. Der Omi im Bus einen Sitzplatz anbieten oder die Einkaufstasche ein paar Meter tragen.
  4. Den Obdachlosen vor dem Supermarkt freundlich ansprechen und ihn fragen, ob man ihm beim Einkaufen etwas mitbringen kann. Näheres dazu gibts hier in einem eigenen Blogartikel.
  5. Den Garten, Vorgarten, Balkon naturnah gestalten und so zum Artenschutz beitragen.
  6. Beim Einkaufen einfach mal eine Dose Hunde- oder Katzenfutter fürs Tierheim mit einpacken.
  7. Gemeinnützige Organisationen finanziell unterstützen. Das geht auch einmalig und muss kein verpflichtender Dauerauftrag sein.
  8. Sich an regionalen Aktionen beteiligen, zu denen aufgerufen wird, wie z.B. gemeinsam Müll sammeln, Grünstreifen bepflanzen, oder was auch immer die Kommune anbietet.
  9. In der Vorweihnachtszeit auf Spendenzäune in der Stadt achten, oder Wunschbäume in Kaufhäusern.
  10. Mit Freunden und Bekannten darüber reden, Bewusstsein schaffen und sich eventuell zusammentun.
  11. Der älteren alleinstehenden Nachbarin ein Stück Kuchen rüberbringen.
  12. Gemeinnützige Vereine ansprechen oder anschreiben und nach Möglichkeiten der Unterstützung fragen.
  13. Hospize und (Kinder-) Heime freuen sich nach Absprache auch über nützliche Sachspenden.
  14. Blutspenden und Anmeldung in der Knochenmarkspenderkartei DKMS.
  15. Funktionstüchtige Dinge nicht achtlos wegwerfen, sondern lieber verschenken. In vielen Gegenden hat es sich bereits eingebürgert, zu Verschenkendes mit einem Zettel vor die Tür/ an die Straße zu stellen. (Und manchmal muss man einfach selbst damit anfangen und der Vorreiter sein, damit es sich etabliert.)

Vermutlich kann man diese Liste noch um tausende Punkte ergänzen. Daher schreib mir sehr gerne, wenn du weitere Beispiele hast. Von Zeit zu Zeit werde ich eventuell auch noch etwas hinzufügen. Natürlich dient das Ganze nur als Ideengebung und nicht als „der einzig richtige Weg“. In jedem Fall finden sich überall und immer wieder genug Gelegenheiten für sinnvolle und hilfreiche Gesten, wenn man es aufrichtig will.
Was definitiv ein guter Anfang ist, der nichts kostet und nicht weh tut: Einfach freundlich sein. Bei Begegnungen mit anderen Menschen kann man in der Regel davon ausgehen, dass jeder seine eigene Geschichte, Sorgen und Nöte hat, auch wenn man sie nicht sieht. Daher sollte man versuchen, unvoreingenommen zu sein.

gezeichnet Katharina

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