Es wird viel über Achtsamkeit gesprochen und geschrieben. Aber was ist das eigentlich? „Bewusstes Wahrnehmen ohne zu bewerten“, sagte mir jemand. „Das klingt irgendwie gut aber wie setzt man das um?“, dachte ich. Hat es was mit Meditation zu tun? Kann man das lernen, bringt es wirklich was oder ist es doch nur Quatsch?
Das waren vor ein paar Jahren meine ersten Gedanken zum Thema Achtsamkeit. Daraufhin fing ich an, mich ein wenig damit zu beschäftigen. Heute habe ich meine eigene Definition erschaffen: Es geht „einfach nur“ darum, wirklich zu leben, anstatt nur durch den Tag zu hetzen. Das mag sich simpel und unspektakulär anhören, doch das ist es nicht. Warum? Weil die meisten von uns genau das tun- sie funktionieren durch den Tag, die Wochen, Monate, Jahre, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Es wird sich pragmatisch um alles gekümmert, der Laden am Laufen gehalten, auf der Arbeit, zuhause… Schließlich muss ja alles erledigt werden, was so anfällt, es muss Geld verdient werden, die Kinder müssen zur Schule gebracht werden, das Haustier muss gefüttert und die Blumen gegossen werden. Einkaufen, kochen, putzen, arbeiten, essen, Kinder ins Bett bringen, vielleicht auch mal „was Schönes“ machen, wie Ausflüge, Kino oder Freunde treffen… Doch auch das gehört wieder organisiert und muss ins Zeitmanagement passen.

Pipi Langstrumpf würde sagen „Und dann muss man ja noch Zeit haben, um einfach nur da zu sitzen.“ oder so ähnlich. Ein gern gewähltes Zitat, wenn es um Achtsamkeit geht. Was das eigentlich aussagen soll: Genieße dein Leben, mach Pausen, gönne dir Ruhe und Entspannung. Für viele sind das Fremdworte. Me-time und Work-Life-Ballance scheinen die moderneren Begriffe zu sein, die jedoch ebenso wenig gelebt werden. Ich weiß nicht genau, warum der Leistungsdruck so enorm ist und ob das immer schon so war. Ich weiß nur für mich persönlich, dass das Leben entschleunigt gehört. Auch so ein Wort, mit dem ich früher nicht sehr viel anfangen konnte. Entschleunigung. Das Gegenteil von Beschleunigung? Was soll es bringen, die Dinge langsamer zu machen? Dann hat man ja noch weniger Zeit.
Fakt ist: Die Zeit wird nicht mehr und nicht weniger, egal, wie wir sie verbringen. Doch man kann sie wertvoller machen. Nicht im finanziellen Sinne, nicht weil man viel arbeitet oder besonders produktiv ist. Sondern weil man seine Zeit bewusst wahrnimmt, im Moment lebt und vielleicht zwischendurch mal kurz innehält. Es ist nicht unnütz oder lächerlich, sich die Zeit dafür zu nehmen. Wozu ist denn unser Leben da? Sicher nicht nur, um produktiv, erfolgreich, gewinnbringend und effizient zu sein.
Neben Pipi Langstrumpf fällt mir dazu auch Momo ein. Die grauen Herren, die unbemerkt die Zeit stehlen. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für jeden Menschen sein. Es sagt so vieles über Prioritäten und menschliche Werte.
Nachdem ich oft und lange darüber nachgedacht habe, warum viele Menschen so unzufrieden mit sich und der Welt sind, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Achtsamkeit und Entschleunigung die Welt retten könnten. Wären alle entspannter und zufriedener, würde es deutlich weniger Konflikte geben. Und lange bevor ich mich damit beschäftigt habe, hatte ich bereits so ein Bedürfnis, das ich noch nicht in Worte fassen konnte: Ein Bedürfnis danach, die kleinen Dinge im Leben mehr zu würdigen. Die Welt, die Natur zu schätzen wissen. Warum sich nicht an Kleinigkeiten erfreuen? In einem anderen Artikel über negative Glaubenssätze habe ich schon einmal geschrieben, das Mindset ändert alles. Und das stimmt tatsächlich.

Deshalb teile ich hier etwas mit dir, das für mich persönlich einiges bewirkt und verändert hat:
Meine Achtsamkeits- to do Liste für den ganz normalen Alltag.
To live Liste:
- Kleinigkeiten bewundern.
Magst du zum Beispiel Blumen? Dann freu dich einfach mal über welche, die du am Straßenrand siehst. Geh nicht achtlos an ihnen vorbei, sondern erinnere dich daran, dass du sie schön findest. - Wolken gucken
Während der (Haus-) Arbeit kurz aus dem Fenster schauen und hinsehen: Welche Farbe hat der Himmel? Sind Wolken da? Dicke flauschige Wattewolken oder dünne Streifen? Sonne? - Sinne testen
Egal wo du bist und was du gerade tust- gehe deine Sinne der Reihe nach durch: Was hörst, riechst, fühlst, siehst du in diesem Moment? - Gast-Gefühl
Mach dir klar, dass wir Menschen zu Gast auf diesem Planeten sind. Wir sind nicht das Wichtigste im Universum, sondern nur kurzzeitige Besucher in der Umwelt, die viel länger bleibt als wir. - Anschaffungen
Unnützes Zeug zu kaufen bzw. zu horten, kann sich belastend anfühlen. Materieller Besitz macht nicht zwangsläufig glücklich. Frage dich bei einer Neuanschaffung, ob dir das wirklich etwas bringt oder andere Dinge nicht vielleicht viel wichtiger sind. - Mitmenschen
Hast du deine Lieblingsmenschen um dich? Und gehen sie dir manchmal auf die Nerven? Hast du Streit mit jemandem, den du eigentlich magst? Nimm kleine Unstimmigkeiten nicht zu wichtig und freu dich lieber darüber, dass du tolle Menschen an deiner Seite hast- das ist nicht selbstverständlich. - Aufschreiben
Nimm dir abends ein Notizbuch und schreibe Positives auf. Es reichen stichpunktartige kleine Momente oder Gedanken. Du wirst sehen, wie sich nach einer Weile dein Fokus verändert und du nicht immer nur das Schlechte wahrnimmst. - Freundlichkeit
Es schafft einem selbst Zufriedenheit, wenn man freundlich zu anderen ist und dafür ein Lächeln oder ein Danke bekommt. - Sieh Pausen als Aufgaben
Wenn du ständig alles mögliche abarbeitest und nur noch funktionierst, zwinge dich zu kleinen Pausen. Atme durch. Du kannst es nicht allen recht machen, wenn du selbst völlig fertig bist. - Emotionen erlauben
Für mich persönlich der wichtigste aller Punkte: Erlaube alle Gefühle, auch die, die sich blöd anfühlen. Wenn du wütend, traurig, unzufrieden, gereizt etc. bist, stell dir vor, diese Emotion ist eine Wolke, die auch wieder vorbeizieht. Alle Gefühle haben ihre Berechtigung und dürfen da sein- weil du weist, dass sie nicht für immer bleiben werden. Sich dagegen zu wehren, bringt nichts. Also gib der Wolke die Chance, weiterzuziehen.
Ich hoffe, du kannst einige meiner Tipps umsetzen und findest deinen Weg zu etwas mehr Achtsamkeit. Schau dir unbedingt auch meinen kostenlosen Leitfaden für dein Safe-Space-Zuhause an. Lass mich gerne wissen, was bei dir besonders gut funktioniert. Vielleicht hast du noch andere Tipps?
gezeichnet Katharina

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